Artikelbild für den Rixe-Baubericht

Moped Rixe Baujahr 1967

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Mein Vater hat in jungen Jahren mal eine Rixe RS50 Baujahr 1967 gefahren. Als nach intensiver Nutzung eine Überholung anstand, wurde diese lediglich vorbereitet, die Rixe nach einem Anfall von Lustlosigkeit im Keller eingelagert.
Das Moped ist ein echtes Original meiner Heimatstadt, die Bielefelder Mopedfabrik Rixe produzierte seit 1922 im Ortsteil Brake schicke Zweiräder, zumeist mit Sachs-Motoren.
Dreiundzwanzig Jahre nach der Einlagerung umfasst mein Führerschein für begleitetes Fahren mit 17 auch die Klasse M. Damit ich auch unbegleitet unterwegs sein kann, wird die Rixe wieder ausgemottet und fit gemacht. An dieser Stelle möchte ich den Wiederaufbau dieses kleinen Stücks Geschichte dokumentieren.

Das Moped nach der Restauration

Zunächst einmal wurden alle Teile in die Werkstatt gebracht. Die Basis stellt sich als erstaunlich gut heraus, alle Teile waren abgeschliffen oder sandgestrahlt und somit lack- sowie rostfrei. Lenker und glänzende Anbauteile wurden damals noch frisch verchromt, ein Großteil der Verschleißteile erneuert.

Zur Kontrolle der Vollständigkeit und Passgenauigkeit wurde das Moped trocken zusammengebaut, der Rahmen dafür an der Decke aufgehängt.

Ein paar Kleinteile fehlten wie sich herausstellte tatsächlich. Dazu gehörten unter anderem Pedale, eine funktionstüchtige Klingel, ein Rückspiegel, das hintere Kettenrad war stark abgenutzt.
Nach der anschließenden Demontage wurden die Teile für die Lackierung vorbereitet. Es sollte eine klassisch wirkende Cremefarbe werden, wir haben uns für RAL 1015, auch bekannt als Taxifarbe, entschieden.

Auch die originale Betriebserlaubnis ist wieder aufgetaucht. Das Moped war 1985 zuletzt angemeldet und ist wohl bis 1984 gefahren worden.
Hier die gesammelten technischen Daten:

Rixe RS50 St2 Ausf. A

  • Baujahr: 1967
  • Motor: Sachs 50/MB Ausführung C, 2,66 PS bei 4900 U/min, 47 cm³ Hubraum
  • Leergewicht: 50kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 39,9 km/h
  • Vergaser: Bing 1/12/155
  • Übersetzung: Kettenritzel 13 Zähne, Kettenrad 32 Zähne, Kette: 1/2” × 3/16”
  • Nabe: Sachs
  • Reifengröße: 23×2.00

Während die Teile beim Lackierer waren gab es auch anderswo genug zu tun. Der Lenker wurde zum Beispiel vom Verchromen so dick, dass die Griffe an den Enden nicht mehr passten.
In der Zwischenzeit sind mir auch einige neue/gebrauchte Teile zugelaufen, zum Beispiel neue Pedale und ein Kettenritzel von Ebay. Die Aufnahme des Magura-Kupplungshebels war leider gebrochen. Hier habe ich über einen Sachs-Vertragshändler (Zweirad Holtkämper in Bielefeld) originalen Ersatz bestellen können. Bei Ebay habe ich auch noch eine klassische Rixe-Klingel ausfindig machen können. Im Fahrradgeschäft habe ich Bowdenzüge bekommen, die Enden dann teilweise mit der Feile an die Aufnahmen angepasst. Neue Schläuche für die Räder konnte ich dort ebenfalls bestellen.

Nach der Lackierung konnte der erneute Zusammenbau beginnen. Dabei wurden wenn möglich neue Schrauben mit schlichtem rundem Kopf und Innensechskant verbaut.

Die originalen Lager der vorderen Schwinge waren ziemlich ausgenudelt, was in der Vergangenheit bei Schlaglöchern zu einem unkontrollierbaren Schlackern in der Lenkung geführt hat. Als Ersatz wurden neue Hülsen aus Messing gedreht.

Leider habe ich kein passendes tellerförmiges Kettenrad mit Fünflochaufnahme für hinten auftreiben können. Hier habe ich ein normales Kettenrad mit 32 Zähnen gekauft mittels selbstgebautem Adapter verbaut. Durch diesen wurde der Platz zwischen Kettenschutz und Kette ziemlich eng, da das originale Kettenrad dünner baut.

Der Motor lief nach dem Einbau sofort und ohne Probleme, ich fahre mit 1:25 Zweitaktgemisch. Motortechnisch musste ich also gar nichts machen, es konnte gleich los gehen.
Die 35 Kilometer lange Strecke von der Werkstatt nach Hause wurde schon kurz nach Abfahrt unterbrochen. Der Motor zündete nicht mehr, weil die Zündkerze einen Faden gezogen hat (und das sollte nicht das letzte Mal bleiben).

Metall-Klippser vom Schnellhefter sind dünn und hart genug zum Entfernen von Kerzenfäden

Nach weiteren 500 Metern hat sich die Schraube, die das Dekompressionsventil ersetzt, sich losgerappelt. Ohne Kompression kann das Gemisch nicht zünden, ich stehe abermals am Straßenrand. Also doch wieder das originale Deko-Ventil…
Auch der anschließend einsetzende Starkregen kann mich in meinem jugendlichen Leichtsinn nicht davon abhalten, die Fahrt dennoch durchzuführen – zum Glück ab dann ohne weitere Zwischenfälle.

Auf dem nicht ganz trockenen Rückweg

Von da an brachte mich das Moped zwei Jahre lang regelmäßig zur Schule und auch sonst so ziemlich überall hin. Man kann im Verkehr gut mitfließen, der Verbrauch liegt bei etwa 2,4 Litern pro 100 Kilometer inklusive Zweitaktöl.

Bild vom vorerst fertiggestellten Moped

Nach dem Aufbau steht sie schon gut da. Kleine Veränderungen folgen dennoch.

Dies natürlich nicht ohne das ein oder andere Wehwechen, alles andere wäre auch langweilig. Der originale Benzinhahn stellte sich beispielsweise als undicht heraus. Ersatz zu besorgen war schwierig, da Benzinhähne mit einem M12x1,5 Gewinde nicht sehr weit verbreitet sind. Es hat jedoch sehr geholfen, die Korkdichtung umzudrehen. Eine andere Möglichkeit ist das Zuschneiden einer neuen Dichtung aus rohem Dichtungsmaterial, bislang hält es aber dicht. Auch waren die alten Reifen schon ziemlich porös, also habe ich neue Weißwandreifen von Continental verbaut, die ich beim Reifenhändler meines Vertrauens in der Größe 23×2.00 bestellen konnte.

Damit war das Moped dann vorerst komplett. Zwischenzeitlich gab es noch einen Benzinfilter und einen Rückspiegel (Standardmodell aus dem NSU Quickly Sortiment) sowie ein paar andere Kleinteile.

Bild von der Rixe nach der Restauration

Nach ein paar Jahren Einsatz fängt jetzt die Kupplung des Sachs 50/MB Motors an zu rutschen. Die Rixe steht für eine kleine Revision wieder auseinander gebaut in der Werkstatt. Das Kupplungsproblem soll sich durch Wechseln des Automatikgetriebeöls zwischen 100km-Fahrtintervallen wieder in den Griff bekommen lassen, wie mir ein Spezialist bei Motor-Talk empfahl – so weit bin ich aber noch nicht.
In der Zwischenzeit konnte ich auch ein passendes Kettenrad für hinten ergattern, durch das die Adapterlösung ersetzt werden kann.

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